Ein intuitiver Blick in die Zukunft: Was bedeutet „mediales Kartenlegen“?
Beim Kartenlegen scheiden sich buchstäblich die Geister: die einen sind der Meinung, dass Kartenlegen eine reine Technik sei, die man ebenso einfach erlernen könne wie eine beliebige Fremdsprache. Denn die Karten, argumentieren sie, seien eine Art kodifiziertes Bildsystem, ähnlich wie die amtlichen Verkehrszeichen, deren Bedeutung man in der Fahrschule ja auch erlernen müsse, um die Führerscheinprüfung zu bestehen. Jeder, der intellektuell imstande sei, diese speziellen Zeichen zu erlernen und dauerhaft im Gedächtnis zu behalten, sei also zum Fahren auf der Straße oder analog zum Kartenlegen bestens ausgerüstet. Kann man Kartenlegen also lernen? Ja, lautet also die Antwort derer, die diese Kunst für ein komplexes Programm aus erlernbaren Zeichen halten. Andere wiederum sind der festen Überzeugung, dass Kartenlegen eine persönliche Begabungssache sei, dass es ein besonderes und nicht erlernbares Talent zum Übersinnlichen voraussetze, was den „Lernberuf“ Kartenlegen obsolet mache.
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Denn die Karten, sagen sie, seien Mittler zur geistigen Welt, und in diese könne man sich den Zugang nicht einfach durch stures Auswendiglernen von Bildbedeutungen erwerben, sondern müsse sich durch eigene spirituelle Kräfte gleichsam qualifizieren. Kann man Kartenlegen also lernen? Nein, lautet die Antwort derer, die der Auffassung sind, die Karten selbst seien nur Mittler zur geistigen Welt und die eigentliche Arbeit fange erst oberhalb ihrer kanonischen Bedeutungen an.
Kartenlegen als ein erlernbares Programm einerseits oder als eine übersinnliche spirituelle Ausnahmebegabung andererseits – das ist ein unüberbrückbarer Konflikt und auch eine Streifrage, die so nicht gelöst werden kann. Wer hat nun Recht?
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„Beide und keiner!“ lacht die esoterische Beraterin Friederike, „denn die Karten selbst sind so gut oder schlecht wie der Lebensberater, der sie deutet. Der Vergleich mit dem Erlernen von Fremdsprachen ist daher schon zutreffend, auch wenn ich selbst nicht der Meinung bin, dass man das Deuten der Zukunft aus den Karten ähnlich stereotyp erlernen kann wie das Pauken von Vokabeln. Es stimmt jedoch, dass die Karten stets eine bestimmte, objektive Bedeutung haben – die Herzkarten im Skat stehen zum Beispiel, wie könnte es auch anders sein, für die Liebe, der Baum im Lenormand-Deck repräsentiert die Gesundheit, die Trumpfkarten im Tarot stehen für Lebensereignisse, die auch Schwellencharakter haben. Wer das nicht weiß, braucht natürlich mit der Deutung aus den Karten gar nicht erst anzufangen, denn ein solides Wissen um die Bedeutung der Karten und ihrer Symbole gehört natürlich dazu, es ist sozusagen die notwendige Ausgangsvoraussetzung.
Doch das allein reicht noch nicht aus. Es ist eben doch wie in der Schule: jeder kann Französisch lernen, indem er die Grammatik und die Wortbedeutungen fleißig einstudiert, aber nicht jeder wird automatisch ein Genie in dieser Sprache. Manche haben die besten Lehrer und bleiben dennoch ihr Leben lang auf dem Anfänger-Niveau stehen, einfach weil ihnen die Sprache nicht zusagt, sie keinen persönlichen Zugang dazu finden, oder auch einfach kein Talent haben. So ähnlich ist es auch mit den Karten: natürlich muss man ihre genaue Bedeutung kennen, aber das reicht nicht aus, um gleich zum Virtuosen in der Kunst der Orakeldeutung zu werden, denn dazu gehört Talent, und das ist einfach da – oder auch nicht. Das Grundgerüst an Kenntnissen und Regeln kann man sozusagen erlernen, aber oberhalb dessen wird es schwierig, wenn die eigene Begabung fehlt, und wirklich firm in einer Sprache – sei es der der Buchstaben oder der der Karten – wird nur einer, der auch eine innere Verwandtschaft mit der Sache hat.“
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Eine innere Verwandtschaft mit der Sache haben – das ist ein schöner Ausdruck von Beraterin Friederike, der so recht umschreibt, was das Orakeldeuten eigentlich zu einer Kunst macht. Der esoterische Lebensberater bringt sich selbst ein in die Prognose der Zukunft – nicht, indem er sein Ego in den Mittelpunkt stellt (das gerade nicht – das Ego sollte außen vor bleiben), sondern, indem er sein eigenes Unterbewusstsein in Kontakt treten lässt mit der wissenden Quelle des Seins, die von vielen Esoterikern auch als „die geistige Welt“ bezeichnet wird. Aus dieser Quelle des Wissens schöpfen viele Orakeldeuter und stellen durch die eigene Verbindung mit einem Wissenspool oberhalb ihrer individuellen Erfahrung die Verbindung zur Zukunft des Ratsuchenden her, indem sie als eine Art Kanal oder Mittler fungieren. Das Wort „Mittler“ oder „Vermittler“ heißt auf Lateinisch „Medium“ und die Kräfte der Vermittlung heißen „medial“, weshalb ein auf der Vermittlung zur geistigen Welt beruhendes Beratungsgeschehen auch als mediales Zukunftsdeuten bezeichnet wird. Das ist auch der Grund, weshalb sich viele Zukunftsdeuter auch als Personen bezeichnen, die ein „mediales Kartenlegen“ anbieten. Doch was genau unterscheidet das mediale Kartenlegen vom nicht-medialen Kartenlegen, oder vom Kartenlegen, wie wir es kennen? Auch hierzu hat Beraterin Friederike eine klare Antwort:
„Das konventionelle Kartenlegen, wie man es kennt, ist bereits medial. Es gibt nicht die klare Trennlinie zwischen medialem und nicht-medialem Kartenlegen, das ist ähnlich unsinnig, wie wenn ich sagen würde, es gibt musikalische Sprachen und nicht musikalische Sprachen, denn alle Sprachen sind rhythmisch und melodisch, eben musikalisch. Beim Kartenlegen ist es so, dass immer eine Botschaft aus der geistigen Welt mit einfließt, dass also alles Kartenlegen zugleich auch eine mediale Tätigkeit ist. Der Unterschied besteht meines Erachtens nur darin, ob der Berater selbst hochgradig spirituell und vor allem hellsichtig ist oder nicht, denn man kann mit den verschiedensten Graden von Hellsichtigkeit erfolgreich Karten legen.
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Es hängt also vom persönlichen Grad der Ausprägung der Hellsicht beim Kartendeuter selbst ab, ob er sein Kartenlegen ausdrücklich als „medial“ bezeichnet oder nicht, doch im Grund ist jeder professionelle Kartenleger gleichsam mit denen da Oben in Verbindung, ob er es nun merkt oder nicht. Hellsicht ist übrigens keine seltene Sonderbegabung – wir alle haben sie. Sie ist nur unterschiedlich stark ausgeprägt, wie eben die Talente in anderen Bereichen auch. Nur, dass die Talente zum Hellsehen in unserer Gesellschaft nicht gefördert werden, im Gegensatz zu anderen Talenten. Dabei ist gerade die mediale Gabe meines Erachtens eine sehr wertvolle Lebenshilfe, und sie sollte viel stärker gefördert werden bei denen, die sie entwickeln wollen – und nicht unterdrückt, wie das im heutigen Schulwesen oft der Fall ist, wo jeder Anflug von Fantasie schon fast als krankheitswertig aufgefasst wird.“
Ein kleiner Seitenhieb auf das heutige Bildungssystem ist sicher ein interessanter Weitergang des Gedankens von Beraterin Friederike zum Thema Medialität, doch im Grund will sie nur aussagen, dass die Intuition und die persönliche Begabung zur Hellsicht orientierende Gaben sind, die dem Menschen dienen. Und wenn diese hilfreichen Gaben gekonnt in die individuelle Kartenlegung einfließen, kann ein geschulter esoterischer Berater zum echten Lebenshelfer werden, der die Zukunft des Ratsuchenden medial erfasst und einfühlsam übermitteln kann…
