Liebe, Beruf oder Schicksal – Welche Fragen kann man an die Karten stellen?

Der Blick in die Zukunft ist ein uralter Traum der Menschheit, ebenso alt wie der Traum vom Fliegen. Beide Träume haben sich realisiert: der eine, von den ersten Flugversuchen in gefährlichen Vehikeln hin zum bequemen und sicheren Luxus-Jet von heute, und der andere, von den Anfängen der Orakelzunft aus den Tierknochen und dem Vogelflug bis hin zur modernen professionellen Lebensberatung per E-Mail und Telefon. Das Kartenlegen mittels der Berater, die auf qualifizierten Portalen tätig sind, ist heute als eine Dienstleistung etabliert, die immer mehr Menschen anzieht, und der gelegentliche Blick hinter die Kulissen der Zeit wird für zunehmend mehr Bürger zur Faszination, die nur einen Mausklick oder einen Anruf weit entfernt ist. Die Vielzahl der Fragen, welche heute täglich von Ratsuchenden an die Kartenleger gestellt werden, ist hierbei praktisch unbegrenzt und kann durch häufigeres Nachfragen noch potenziert werden. Auch thematisch gibt es scheinbar keine Einschränkung: Fragen nach der Liebe – dem großen Klassiker der esoterischen Lebensberatung – in all ihren Facetten sind ebenso allgegenwärtig wie auch komplexe Fragen zum Beruf oder zur beruflichen Orientierung, persönliche Fragen zum wahren Sinn des Lebens und dem eigenen Schicksal bis hin zu Auskunftswünschen über die geistige Welt oder spirituelle Zusammenhänge wie Reinkarnation und Botschaften der Engel.

 

 

      

 

Grundsätzlich kann man jede erdenkliche Frage des Alltags, die einen beschäftigt, auch mit Hilfe der Karten zu beantworten suchen, und ein erfahrener Kartenleger wird sie auch geduldig, einfühlsam und kenntnisreich beantworten können. Hilfreich zum Erzielen einer gültigen Prognose ist es jedoch, wenn man sich im Vorfeld über seine eigenen Themen und Probleme in so weit bewusst wird, dass man gezielte Fragen stellen kann, denn auch beim Kartenlegen gilt: je präziser die Frage, umso zutreffender wird die Antwort. Denn durch die exakte Frage seitens des Ratsuchenden wird der Kartenleger gleichsam wie ein Spürhund in die Zukunft geschickt, um mit dem richtigen Ergebnis wie mit einer Trophäe zurück zu kommen. Die Fragen selbst dürfen dabei, wie bereits gesagt, thematisch aus den unterschiedlichsten Bereichen stammen und die ganze Bandbreite des menschlichen Lebens abdecken – vom ersten Kuss bis zum Zusammenziehen, vom Umzug ins neue Zuhause bis zum Karrieresprung, vom Weltlichen zum Geistigen. Mitunter ist auch das eigene Profil des Kartenlegers entscheidend: wenn ein Berater auf einem Portal für esoterische Lebensberatung zum Beispiel angibt, dass er „mediales Kartenlegen“ anbietet, könnte er auch manche ungewöhnliche Frage beantworten, die über die Karten selbst hinausreicht.

 

                                           

 

 

Berater hingegen, welche sich mit Engelskontakten oder Botschaften aus dem Jenseits befassen, können ihrerseits andere Ratschläge erteilen als Kartenleger, die sich auf die Bildwelt der Karten beschränken. Es ist ähnlich wie beim Aufsuchen eines Spezialisten: jeder ist hervorragend auf seinem Gebiet, doch niemand kann alles, und die Aufgabe des Klienten ist es zunächst, aufgrund der Selbstbeschreibungen zu erfassen, welcher Experte der richtige Ansprechpartner für die eigenen Fragen ist: ist es der erfahrene Berater in Liebesfragen? Der Energie-Arbeit-Experte? Oder doch der esoterische Spezialist für Sinnsuche und Karma? Meist helfen die aussagekräftigen Profile und Tätigkeitsbeschreibungen der Berater auf esoterischen Portalen, den Richtigen für das eigene Anliegen zu finden, oft ist auch die Kundenbetreuung so freundlich, konkrete Empfehlungen auszusprechen, damit der Anrufer sicher gehen kann, dass alle seine Fragen bestens aufgenommen und von versierten Kennern ihres Gebiets beantwortet werden.

 

                                                   

 

Gibt es eigentlich auch Tabus beim Kartenlegen: Fragen, die man nicht stellen oder nicht beantworten darf? Dieser Problematik haben sich heute zahlreiche professionelle Kartenleger angenommen, denn sie wissen auch um die besondere Verantwortung ihres Berufs und möchten die bestmögliche Beratung bieten – innerhalb der Grenzen der eigenen Zuständigkeit. Prinzipiell gilt, dass Fragen nach dem eigenen Lebensende, nach der Gesundheit und auch konkrete Rechtsfragen ausgeschlossen sind, denn Kartenleger sind keine Ärzte oder Heilpraktiker und dürfen daher keinen gesundheitlichen Rat erteilen, auch juristische, therapeutische oder sonstige Beratungen fallen nicht in ihr Kompetenzgebiet. Abgesehen davon, dass die esoterische Lebensberatung, wie jede andere professionelle Beratung, nur innerhalb des eigenen Fachs tätig werden darf, gibt es noch weitere Tabus, die eher eine Frage der persönlichen Ethik und Sensibilität sind. Kartenlegerin Maria-Adele etwa ist schon lange erfolgreich in der esoterischen Lebensberatung tätig und aufgrund ihrer differenzierten Deutung sehr beliebt. Sie sagt nicht nur, was sie in den Lenormand-Karten sieht – und das mit erstaunlicher Präzision – sondern sie gibt auch konkrete Ratschläge, was man tun oder lassen sollte, um seine Perspektiven zu verbessern. Zudem befolgt sie eine Ethik, die es ihr nicht erlaubt, Fragen zu beantworten, welche die Psyche des Ratsuchenden irritieren könnten oder die schlichtweg nicht die Privatsphäre anderer Menschen respektieren. Maria-Adele erklärt dies so: „Kartenlegen ist eine Kunst, welche ihre eigenen Chancen und Grenzen hat. Die Chance, das ist natürlich der gelingende Blick in die Zukunft, und das gute Gefühl, einem Menschen in einer Notlage geholfen zu haben, wertvolle Orientierung zu vermitteln. Die Grenze, das ist jedoch ebenso wichtig zu wissen, liegt in der Person des Fragenden oder der seiner Liebsten.

 

Das Kartenlegen darf nicht dazu benutzt werden, fremde Privatverhältnisse auszukundschaften oder sich in Angelegenheiten einzumischen, die wirklich zu Recht verborgen und vor neugierigen Blicken geschützt sind. Ich sage das deshalb, weil mich manchmal Mütter anrufen, die geradezu grenzüberschreitend sind hinsichtlich der Fragen über ihre erwachsenen Kinder: da wollen manche wissen, ob der erwachsene Sohn ein gutes Liebesleben hat, oder ob die erwachsene Tochter schwanger ist. Das geht natürlich zu weit. Auch verlassene Frauen sind manchmal übergriffig, was das Respektieren der Privatsphäre des Ex-Partners angeht, und wollen ganz genau wissen, was „er“ denn gerade treibt. Auch hier muss ich – liebevoll, aber bestimmt – den Übereifrigen Einhalt gebieten und konsequent feststellen, dass solche Fragen an die Karten unzulässig sind, dass ich sie nicht beantworten kann und will. Meist sehen die Ratsuchenden das auch schnell ein und genieren sich sogar ein bisschen dafür, dass sie so neugierig waren. Aber das ist ja auch ganz natürlich: Menschen wollen bekanntlich immer an ihre Grenzen gehen. Die eigene Freiheit – auch beim Kartenlegen – endet jedoch dort, wo die Rechte eines anderen beginnen.“

 

Die eigene Freiheit, welche auch die Freiheit anderer respektiert, eröffnet uns zugleich den Raum für unsere persönlichen Fragen an die Zukunft: sie werden uns immer wieder gern gestattet werden, wenn wir mit Vernunft, Liebe und Achtung vorgehen…