Tage, Wochen oder Jahre – Wie zuverlässig sind Zeitangaben beim Kartenlegen?
Der „Zukunftsblick“ per Orakel, Karten oder Kaffeesatz gehört seit den Frühzeiten der Kulturen sicherlich zu den geheimnisvollsten und faszinierendsten Tätigkeiten des Menschen. Wer in die Zukunft blicken konnte, war natürlich sehr begehrt als Helfer und Ratgeber, und auch zugleich mit einer Wolke des Rätselhaften umgeben, welche die Ratsuchenden teils magisch anzog, teils auch irritierte. In der heutigen esoterischen Lebensberatung werden viele der alten Künste rund um das Erspähen der Zukunft wieder neu belebt, und das tägliche Orakel, per Mausklick abrufbar, gehört für viele Menschen schon ebenso selbstverständlich zum Alltag wie der gelegentliche Anruf bei einem Portal für Kartenlegen. Denn dass man auf geheimnisvolle Art und Weise tatsächliche Einblicke in die eigene Zukunft erlangen kann, wenn man die Karten konsultiert, hat sich herumgesprochen, und die Zahl derer, die durch eine Kartenlegerin ihr Glück in der Liebe fanden, ist Legion.
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Auch wertvolle Tipps zum Gestalten der eigenen Karriere, ein Ausloten der eigenen Talente und Fähigkeiten sowie aktuelle Aussagen über die energetische Tendenz einer Situation in Beruf und Beziehung sind mit dem qualifizierten Karten-Blick möglich. Doch eine Frage beschäftigt Viele, die sich mittels Karten in die Zukunft schauen lassen: wie zuverlässig sind eigentlich die Zeitangaben, die durch das Kartenlegen eruiert werden? Kann man sich auf die Zeitangaben verlassen und wenn ja, wie ist das möglich? Denn allzu oft möchte man ja nicht nur wissen, ob etwas eintrifft, sondern vor allem auch, wann.

„Die Präzision der Zeitangaben mittels Karten hängt wesentlich vom jeweiligen Kartendeck ab, das man zur Deutung benutzt“, erklärt uns die Beraterin Katharina, „denn die verschiedenen Kartendecks bilden unterschiedliche Lebenssituationen ab und verwenden auch unterschiedliche Bildsysteme, die je nachdem Aussagen zur Zeitqualität machen können. Beim Skat ist es zum Beispiel so, dass die Karten weniger in der Bildbedeutung konkrete Aussagen über den Zeitverlauf enthalten, sondern vielmehr in der Anordnung im Gesamtbild.
Ich deute zum Beispiel alle Karten, die rings um die Herz-Dame und den Herz-König liegen, als nahe, unmittelbar eintreffende Ereignisse, und die entfernt liegenden Karten als Ereignisse in ferner Zukunft. Ähnlich geht man auch bei anderen Kartendecks wie dem Kipper-Kartenset oder den sogenannten Zigeunerkarten vor, die den Kipper-Karten sehr ähnlich sind. Bei diesen, im Übrigen wunderschön nostalgisch gestalteten, Karten geht es darum, ein sinnvolles Gesamtbild in der Auslage zu erstellen und dann rings um die beiden Hauptpersonen herum die kommenden Ereignisse und ihre Qualität und Dynamik zu erfassen. Manche Bildaussagen sind hierbei auch ganz konkret: ein Brief bedeutet zum Beispiel einen wirklichen Brief, eine Reise eine tatsächliche Ortsveränderung.
Aber was die Zeiten betrifft, ist es weit weniger eindeutig und hängt vielmehr davon ab, wie sich das Gesamtbild darstellt im Verhältnis zu den Hauptpersonen. Anders ist es bei den Lenormand-Karten, die ich bevorzugt verwende: die enthalten sowohl konkrete Bildbedeutungen, als auch ebenso klare Zeitangaben. Die Karte des Baumes steht etwa für einen langen Zeitraum, für etwas, das organisch wächst wie ein Baum. Man kann also sagen, wenn diese Karte bei einem Ereignis auftaucht, dauert es ein oder zwei Jahre, oder das Ereignis selbst hält lange an. Andere Karten repräsentieren kürzere Zeiträume, die Wege zum Beispiel stehen für fünf bis sechs Wochen, das Kreuz für zwei bis drei Wochen, der Klee für wenige Tage. So kann man mittels der Karten eine genaue Bestimmung sowohl der Ereignisse, als auch der exakten Zeitpunkte oder Zeiträume erfassen.“
Wenn es also stimmt, dass die Art des Kartendecks eine mehr oder weniger genaue Zuordnung der Zeiten zulässt, stellt sich doch die Frage, weshalb unterschiedliche Kartenleger unterschiedliche Decks verwenden. Das könnte lediglich eine persönliche Präferenz sein, doch Beraterin Katharina hat eine weitreichendere Erklärung:
„Es kommt immer darauf an, welche Karten dem Berater gefallen und ob sie in ihrer Anmutung und Aussage zu dem Berater „sprechen“. Manch einer kann mit den Lenormand-Karten, wie ich sie meist verwende, einfach nichts anfangen, er benutzt lieber die Kipper-Karten, die ihm persönlich mehr zusagen. Das ist auch völlig legitim, denn der Berater muss sich auskennen mit seinem Deck und auch einen eigenen, persönlichen Zugang dazu finden. Im Übrigen ist es gar nicht so, dass nur die Lenormand-Karten präzise Blicke in die Zukunft mit akkuraten Zeitangaben ermöglichen – im Grund sind alle Kartendecks in Abstufungen dazu geeignet. Es kommt wesentlich auf die Erfahrung des Kartenlegers an, wie viel an konkreter Deutung er gleichsam aus „seinen“ Karten herausholen kann, und es ist zudem auch eine Frage der Hellsicht, die bei vielen esoterischen Lebensberatern ja noch zusätzlich hinzukommt.“
Mittels Kartenlegen sind also Zeitangaben möglich, die sowohl die unmittelbare Zukunft, als auch Ereignisse in ferner Zukunft ermöglichen. Das ist nicht nur sinnvoll, sondern auch ausgesprochen förderlich für den Beratungsalltag, denn viele Menschen haben Fragen, die die unmittelbare Zukunft betreffen – „Wann ruft er an?“ ist ein Klassiker dieser menschlich-allzu menschlichen Unruhe – und wieder andere beschäftigen sich auch mit langfristigen Plänen, wie dem Aufbau einer Karriere oder der Gründung einer Familie.
Das Kartenlegen, insbesondere wenn es durch die Hellsicht des Beraters zusätzlich akzentuiert wird, vermag sowohl die eine kurzfristige Art der Fragen, als auch die andere mittel- oder langfristige Art zutreffend und zufriedenstellend zu beantworten. Wer also heute bei der esoterischen Lebensberatung anruft, um einen Rat oder eine Auskunft über das Kommende zu erlangen, wird meist in jeder Hinsicht richtig aufgefangen und kann mit neuer Hoffnung und guter Orientierung in die eigene Zukunft sehen, deren nächste Ereignisse schon etwas heller vor ihm erscheinen. Doch die Frage nach der Geltung von Zeitangaben in den Karten bleibt dennoch ein Enigma, ein Rätsel, denn zuweilen kommt es vor, dass sich Ereignisse verzögern, obwohl sie im Kartenbild ganz eindeutig dalagen.
Wie man das wiederum erklären kann, weiß unser hellsichtiger Berater Leo:
„Die geistige Welt, mit der wir als esoterische Lebensberater mittels Karten oder Hellsicht in Kontakt stehen, kennt keine Zeit in unserem Sinne. Unser Verständnis von Zeit ist linear: erst kommt das, dann das, dann das. Beim Blick in die Karten wird gesehen, was kommt und meist auch, wann es kommt, in Tagen, Wochen oder Monaten nach unserer Rechnung, jedoch muss man sich zugutehalten, dass die geistige Welt selbst keinen Kalender benutzt. Eins ist jedoch sicher: die Tendenz des Geschehens stimmt so gut wie immer, wenn ein erfahrener Kartenleger sie erkannt hat.
Das Gesehene tritt auf jeden Fall ein, es kann sich nur durch Unvorhersehbares verzögern – oder auch durch die ängstliche Erwartungshaltung des Ratsuchenden, welche in diesem Fall leider schöpferisch wirkt, denn wir ziehen das an, was wir fürchten. Deshalb ist es am besten, den Blick in die Zukunft als klare und wahre Tendenzaussage aufzufassen, gelassen zu bleiben und nicht zwingend an Zeiten festzuhalten, wenngleich Zeitangaben natürlich möglich und meist richtig sind.“
Kartenlegen als professioneller Blick in die nahe und ferne Zukunft – das ist möglich, wenn der Ratsuchende sich zugleich ein wenig mit verändert und durch seine gelassene innere Einstellung selbst dazu beiträgt, dass das Gesehene bald wahr werden kann. Denn das, was einer Person rechtmäßig zukommen soll, kommt ihr zu, durch alle Wechselfälle der Zeit hindurch, sagen die erfahrenen Berater.
